Montanophobie

On 28. November 2011 by rkuebler

ist sicherlich noch nicht im Duden erwähnt. Sollte sie aber. Denn der Begriff mit seiner Ambivalenz drückt eine Menge aus. Bismarck war anti-trans-montan. Also gegen alles was hinter dem Berg lag (in diesem Fall die katholische Kirche und nicht nur irgeneine hinter dem Berg gehalten, pre-sozialistische Idee). Im Falle der mehr umweltbewussten Mitbürger, dürfte Montanophobie für die Abneigung gegen jegliche Stahlindustrie und deren verschiedenen Abgase und anderen Umweltbelastungen verstanden werden können. Im Falle des Raoul Kübler ist der Begriff allerdings noch viel einfach zu verstehen: Die schlichte Abneigung gegen den Wochentag Montag.

Denn ich komme immer mehr zu der Gewissheit, dass ich eine mittelschwere Krise in Bezug auf den ersten Tag der Woche durchlebe. Ich kann nur noch warten, bis ich Sonntags mit Schlafstörungen ins Bett gehe und mich schweißgebadet durch die Laken wälze, bis der Wecker mich dann zum Gang in den unvermeidlichen Wochenstart schickt.

Koen erzählte mir, dass Türken Überraschungen nicht mögen. Das allerdings überraschte mich dann. Auf meine Rückfrage nach einem Grund, habe ich dann aber eine sehr plausible und logische Erklärung erhalten. Überraschungen hier sind in aller Regel negativ.

Ob es nun zerissene Paper sind, ausfallende Shuttle, unerwartete Ferien und Feiertage, ellenlage Staus, sinflutartige Regen, zerstörte Elektroleitungen oder wie heute das Ausbleiben von Wasser in der gesamten Wohnung. Richtig gelesen. Während ich müde aus dem Bett tappe und mich schon auf die heiße Dusche freue, die mich ordentlich wach machen soll, entscheidet sich mein Badezimmer aprubt jegliche Versorgung mit dem gechlorten Nass einzustellen. Ein Glück, dass im Spülkasten des WCs noch was war. Auch alle anderen drei Badezimmer des Apartments haben sich in diese Kollektiven Streik eingereiht. Sogar die Küche erklärt sich solidarisch und so beginnt meine Morgentoilette mit ein paar kräftigen Spritzern aus der Mineralwasserflasche.

Irgendwie schaffen es alle Unwegbarkeiten immer sich auf einen Montag zu platzieren. Gut, man könnte jetzt meinen, dass das den Vorteil hat, dass alles Pech und Unglück einer Woche schon am ersten Tag verbraucht wird und somit der Verlauf der Woche nur Besserung versprechen kann. Aber mal erhlich: eine Gleichverteilung wäre mir hier wirklich lieber. Liebes Universum, meinst du nicht, dass wir da was drehen könnten?

Dazu hätte man ja meinen können, dass das Schicksal an diesem Wochenende etwas bessseres zu tun hatte, als mich mit einem Wasserengpass zu versorgen. Denn der Tiefschlag für die S21 Gegner sass ja auch gewaltig. Und ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere Parkschützer und Bahnhofstraditionalist heute morgen ähnlich gute Laune hat wie ich. Auf jeden Fall spannend was so passiert im wilden Süden. Ein derartig deutliches Quorum haben wohl die wenigstens erwartet. Mein Lieblingskommentar heute morgen eines Gegners: Das Ergebnis ist ja klar, es zeigt lediglich, dass die Leute noch nicht genügend informiert waren und durch ihr mangelndes Wissen nun das falsche gewählt haben. Sorry meine Damen und Herren. Abgesehen davon, dass derartige Argumentation schon deutlich dem linksradikalen Spektrum einer RAF (die sich ja ähnlich legitimierte) zuzuordnen ist, würde dies ja auch nur bedeuten, dass die eigene Aufklärungsarbeit der S21 Gegner nicht schlüssig genug oder vehemennt genug war. Ich kenne das ja von unseren Studierenden. Bei zu wenig Punkten heißt es auch immer, ich hab das aber doch so wie in der Lösungsskizze dargestellt gemeint. Die einzig passende Antwort: Dann hätten Sie es auch so schreiben müssen. Chance gehabt. Chance vertan! Während unsere Studis dann zumeist eine 2. Chance bekommen, sieht es für die S21 Gegner jetzt bitterer aus. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Akzpetiert die Masse der Protestbewegung die demokratische Entscheidung oder nicht? Und wenn letzteres eintritt, mit welchem Recht und welcher Argumentation wird man weiter kämpfen können? Ich erinnere mich in letzter Zeit immer mehr an die heißen Debatten meiner Schulzeit zwecks Fildermesse. Am Ende hat der Rubel entschieden. Wird es hier ähnlich sein? Egal wie, der württembergische Hirsch steht zum Sprung bereit (siehe Titelbild).

Schöne Randanekdote zum Thema. Spiegeltitel heute morgen: Souveräne Schwaben. Hauptpunkt der Diskussion im Forum. Baden-Württemberg besteht nicht nur aus Schwaben sondern auch aus Badenern. Ein Herr beschwert sich lautstark über die beispiellose Diskriminierung seines Landesteils durch diesen Titel und geizt nicht mit deutlichen Worten. Scheinbar ist der Südwesten wieder einem Stück Pre-S21-Normalität näher gekommen. Faszinierend, wie schnell sich die Leute beim Streiten anpassen können. Sobald ein alter Zopf abgeschnitten ist, wird eben gleich das nächste Problem hervorgezaubert. Aber Achtung: Auch dieses wurde schon per Volksentscheid behoben.  Wollen, wir hoffen, dass der Bahnhof nicht auch noch 40 Jahre später zu einem Evergreen unsinniger Diskussionen wird!

Ich mach mich jetzt wieder an die Paper. Und schau mal nebenbei, ob der 1. oder der 2. WK, oder sonstige Katastrophen an einem Montag statt gefunden haben. Wundern würde es mich nicht!

Bis dahin, wünsche euch einen besseren Start in die Woche!

Euer Raoul

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