Liberation Days…

On 22. November 2011 by rkuebler

Diese Woche ist verhext. Gestern morgen um halb sieben werde ich von der Hausklingel geweckt. Ich weigere mich aber im Schlafanzug mit verquollenen Augen zu Tür zu gehen. Als ich unter der Dusche stehe, wiederholt sich das ganze Prozedere. Unnötig zu erwähnen, dass ich im Dunklen dusche, da ja meine Badezimmerlampe sich trotz neuer Glühbirne standhaft weigert zu alter Strahlkraft zurückzufinden…

Vielleicht hätte ich aber mal besser zumindest auf die Klingel reagieren sollen. Denn nach einem kurzen Frühstück, Haarföhnen auf dem Gästeklo und drei Cay stehe ich mutterseelenalleine auf dem Innenhof des Wohnheims und warte auf den vermeintlichen Shuttle. Mein etwas ratlos panischer Blick muss auch dem Wachmann aufgefallen sein und nach 3-4 Zigaretten bequemt dieser sich dazu mir mitzuteilen, dass heute nix Suttle. Den Rest verstehe ich nicht, da mein Türkisch sich leider immer noch auf “Was kostet” “zu teuer” und “Danke” beschränkt. SCHEISSE MAN! Ich geh nach oben, schenk mir einen neuen Tee ein und sehe durchs Wohnzimmerfenster wie sich mein Bus-Shuttle langsam die Steige hochquält. SCHEISSE IM QUADRAT! Also Mantel an, Tasche rangerissen und die Treppen runter. Hoffentlich habe ich nichts vergessen. Fluchend erklimme ich alleine den Bus, werde kritisch vom Wärter und dem Fahrer beäugt. Aber ich will das stoisch aussitzen nicht mit mir! Und siehe da, der Bus setzt sich in Bewegung. Auch wenn er heute eine komplett neue Route wählt. Zehn Panikanfälle und mindestens dreißig Besuche bei Google Maps später, lässt die richtige Grundrichtung  meinen Puls wieder etwas herunter kommen und irgendwann steige ich vor der Uni aus…

Koen lacht, als ich ihm all meine frühwochenendlichen Abenetuer berichte. Er meint, dass Türken gerne auch mal Feiertag erfinden, wenn die Arbeit zu sehr drückt. Letzte Woche war bei ihm an der Schule seiner Kinder kurzum mal Istanbul Liberation Days. Interessierte auch keinen Lehrer, dass Istanbul nie von irgendwas befreit wurde…
Der Tag birgt keine Besonderheiten, ich bastel vor mich hin. Abends ist natürlich kein Shuttle da und ich vergnüge mich damit eine Studie über die persönliche Präferenz für den ÖPNV anzufertigen. Der Trade Off besteht aus Wartezeit in der Kälte bei langsamer Dämmerung, Risiko bzw. Wahrscheinlichkeit, dass gewähltes Mittel zum Ziel führt, sowie dem Füllegrad des Transportmittels. Nach 30 Minuten Warten, Zögern und Angequatscht werden platzt mir die Hutschnur. Kurzerhand geht es ab in den nächsten halbwegs leeren Minubus. Weil ich direkt zwischen Türe und Fahrer stehe, um diesen im Notfall klar zu machen, dass ich sofort raus will, werde ich bald als Geldwechsler engagiert. Super wenn die einen alle als einen von sich taxieren. Doof nur, dass mein rudimentäres Basartürkisch eben nur für selbigen ausreicht…

Ich schaffe es bis nach Hause und bin mal wieder zu ängstlich, so dass der Bus eben nicht auf die Autobahn abbiegt und ich trotzdem früher ausgestiegen bin, nur um schön neben der Karre herzutrotten bis zur Wohnung. Klar, dass an so einem Tag das Internet im Apartement auch nicht richtig geht! SCHEISSE HOCH DREI! Also früh ins Bett, schließlich ist es Montag und ich kenne ja mittlerweile diese Montagsdinge. Dienstag wird sicherlich alles besser.

Früh raus, dieses Mal kein Klingeln. Sicher ein gutes Omen. Aber Pustekuchen. Diesesmal kommt weder der Wachmann noch das Shuttle. Primast und das ganze HOCH VIER! Also irgendwann Taxi, damit ich irgendwie noch die Chance auf ne pünktliche Ankuft habe ohne dass ich in nem IETT Bus zerdrückt werde. 10 Lira in den Schornstein geblasen. Planungssicherheit ist hier auch ein Fremdwort. Gut geladen geht es ab zur Sekretärin. Die Arme soll jetzt mal rausbekommen, was Sache ist und wie lange der Spass noch anhält. In der Eile vergesse ich auch mich zu erkundigen, wann man sich mal um mein Badezimmerlicht kümmern will. Macht aber nix, dass das noch seine Zeit braucht, denn in meinem Büro geht jetzt auch kein Licht mehr. Prima, denn das ist ein Innenwandbüro ohne Fenster. So genieße ich jetzt wohl den Rest des Tages mit Macbeleuchtung. Ich freu mir nen Keks…

Die einzige passende Antwort auf den Mist wäre wohl ein kräftiger Grog. Doof, dass ich so voreilig am Wochenende den letzten Rum verschluckt habe.

Was solls! Wünsche euch was.

 

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