Shhhhhh!

On 17. November 2011 by rkuebler

Manchmal muss das türkische Temperament scheinbar doch noch gezügelt und gedrosselt werden. Auch wenn es um bei den anstehenden Gesprächen natürlich nur um die aktuelle Forschung geht und nicht ums Wochenende, Nachtclubs, Basarbesuche oder sonst was!

Wenn ich denen erzähle, dass wir in Kiel äußerst selten auf Studierende treffe, da diese sich kaum zu uns verirren, werde ich ungläubig und ein bisschen neidisch angestarrt. Aber auch sonst ist der interkulturelle Erfahrungsaustausch über den Bachelor und Masterstudierenden erheiternd und interessant. Vor allem fragt man mich immer wieder, warum wir deutschen denn unser Diplom gegen den angelsächsischen Bachelor eingetauscht haben. Auch wenn ich keine Antwort darauf finden kann, so bietet dieses Frage doch genügend Raum um in die verschiedenen Phänomene des Abschlusswechsels abzuschweifen.

Und siehe da, zunehmendes Desinteresse, der Verfall akademischer Tugenden, die Abwesendheit normaler Umgansformen oder rudimentärster Höflichkeit sind auch Themen, die hier komischerweise diskutiert werden. Vielleicht ist das ganze ja mehr ein Generationenproblem, das bei uns durch den Wechsel der Studiensysteme überdeckt wurde…

Spassig hier: Die zahlen auch noch Studiengebühren. Und nicht zu knapp, bis zu 12.000 Euro im Semester. Da könnte man meinen, dass die Damen und Herren ausreichend intensiviert sind, sich auch ordentlich und strebsam zu verhalten. Die Profs (egal ob Junior oder Full) berichten aber viel mehr, dass die Jahrgänge zunehmend fauler und frecher werden. Mean Quote der Bestandenen liegt bei den Mid-Terms auf dem Allerzeitentief von knapp 30%. Attendancy (also Anwesendheit) bei knapp 50%. Als einer der amerikanischen Gastprofs von einem Studenten bei Tisch in der Mensa darauf angesprochen wird, dass er ja 3 der 6 Veranstaltungen verpasst habe und nun wissen wollen, was er machen könne und ob es vielleicht noch eine Lösung für das Problem gäbe, erwidert der Prof trocken in breitestem amerikanisch: well, you are right, there is a solution: just drop the course!

Als ich anbrachte, dass man in Deutschland vermehrt jetzt vom Bachelor mit der Meinung konfrontiert wird, dass der Studierende schließlich Kunde sei und sich daher auch sein Anspruchsniveau erlauben könne, durfte ich sofort lernen, dass gleiche Meinungen hier auch geäußert würden. Herrliche, einhellige Reaktion der Dozenten: Well, they have to learn that they are not the customer but the product!

Ansonsten freue ich mich sehr aufs Wochenende. Flo ist schon im Anflug und wir werden morgen gemeinsam die Stadt unsicher machen. Dazu wird es hoffentlich aufklaren und 20° wärmer werden. Ok ok ok… aufklaren wäre schon völlig in Ordnung…

Obs klappt seht ihr bald! Bis dahin, euer Raoul

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