The Jewel…

On 2. November 2011 by rkuebler

Istanbul! The Pearl of the Middle East, the jewel of the Dardanelles, the magic Bospurus, the throne of the Constantinople Empire…

Nein, kein Werbetext aus meinem Kuli, aber Auszüge aus dem Trailer von “Topkapi“. Claudia und Alexander waren so nett, mich auf den Film aus den frühen 60ern aufmerksam zu machen. Sozusagen Ocean’s Eleven auf orientalisch. Und ich rede jetzt nicht von George Clooneys Star-Parade, sondern von dem Original mit dem Rat-Pack (der aber viel langweiliger als der 2000er Remake und die entsprechenden Sequals ist).

Topkapi selbst habe ich noch nicht gesehen, da die einschlägigen Streamingdienste in der Türkei vom Staat geblockt werden. Einen vielversprechenden Trailer habe ich aber trotzdem gefunden, der auch einen schönen Einblick in die alte Gestalt von Istanbul gibt. Bitte denkt immer daran, dass diese Metropole erst seit 20 Jahren wirklich so exisitiert, wie heute. Mitte der 80er besass Istanbul nur ca. 2,5 Millionen Einwohner und wuchs vor allem in den 90ern auf das heutige 15 Millionen Niveau. Dabei ist auch einiges an alter Architektur zerstört worden und vor allem die typischen Istanbuler Holzhäuser mussten weichen. Wenn man dem Trailer glauben darf und auch mal alte Fotos anschaut, wirkliche eine Sünde. Aber seht selbst:

 

Die gute Nachricht: Immer mehr Türken verzieren die Fassaden ihrer Häuser in dem alten Look und besinnen sich auf die architektonischen Wurzeln der Gründerzeit. Wer wirklich einmal sehen will, wie Istanbul vor 100 Jahren aussah, der muss auf die Prinzeninseln vor der Stadt im Marmara-Meer. Ich habe es leider noch nicht geschafft, aber hab mir dank den Bloggern der Tagesschau schon mal einen ersten Eindruck gemacht. Interessierte finden hier den Link zum passenden Video.

Den Topkapi Palast habe ich mir dafür nicht entgehen lassen, auch wenn mich meine Schwester mit samt der Familie deutlich überzeugen mussten. Bei unserem ersten Versuch wurden wir aber gleich von der Warteschlange gefressen, die sich über hunderte von Metern durch den Palastgarten bis zur Kasse schlängelte. Wir haben uns dann erstmal fürs archäologische Museum entschieden, wo keine Schlange war. Dafür haben wir dort an der Kasse von ein paar Österreichern erfahren, dass man hier auch den Istanbul Museums Pass erwerben kann. Für 72 Lira ermöglicht einem diese Karte, dass man ohne anstehen innerhalb von drei Tagen die 5 wichtigsten Museen besuchen kann. Darunter Evergreens mit garantierten Maximalschlangen wie Hagia Sophia und TopKapi. Nach Alexandersakropharg (in dem nie der große Namensvetter, sondern nur ein von ihm ernannter Statthalter beerdigt wurde) und einigen Relikten aus Troja, ging es dann stolz an der Kassenschlange vorbei direkt in den Topkapi. Wie überall in der Türkei hat man auch im ehemaligen Sultanspalast vor dem Eingang noch einmal eine Sicherheitsschleusse mit Gepäckröntgen und Metallscanner zu passieren. Was mich jedes mal beeindruckt ist die Tatsache, dass die Wärter weder auf ein Piepsen beim Passieren des Metalldetektors reagieren, noch sich besonders für die Röntgenbilder der Gepäckstücke interessieren. Auf jeden Fall beruhigt es wohl die Horden asiatischer Touristen, die mit einem chirurgischen Mundschutz bewaffnet im Michael Jackson Look die verschiedenen Sehenswürdigkeiten abklappern.

Der Topkapi glänzt vor allem durch seinen umwerfenden Ausblick auf den Bospurus und das asiatische Ufer. Daneben bietet er verschiedene Sehenswürdigkeiten, darunter auch die aus dem Film bekannten Diamanten und den Dolch. Wer diese sehen will, wird sich erst allerdings in eine der verschiedenen Schlangen einreihen müssen und sich dann daran gewöhnen müssen, dass er durch alle Räume der Ausstellung durchgeschoben wird und nur wenig Zeit hat die verschiedenen Artefakte näher zu betrachten. Beides ist nicht besonders schlimm, da irgendwann auch das ganze BlingBling eintönig wird und das Bewunderungspotential angesichts der Menge und Größe der Diamanten, Perlen und Goldstücke immer kleiner wird. Dafür wächst aber das Verständnis, warum türkische Hochzeiten gerne so opulent und reichlich verziert daher kommen. Während bei uns das einfach Volk gerne eben selbst einmal einen auf WatieKatie oder Albertchen machen will, wird dann eben vom gemeinen Post-Orientalen das Leben am  Sultans-Hof imitiert…

Ein echtes Highlight allerdings liegt im Top-Kapi in den westlicheren Gebäudeflügeln mit Blick auf das  goldene Horn. Hier werden verschiedene islamische Devotionalien aufbewahrt. Darunter die Barthaare des Propheten. Auch wenn ich nicht Moslem bin, das Beindruckungspotential liegt ähnlich hoch wie beim Turiner Grabtuch oder den verschiedenen Tonnen an Splittern aus dem Kreuze Jesu. Allerdings scheint es bei dieser Reliquie immer so zu sein, dass sie wirklich einzigartig ist.

Besonders freut es mich, dass ich in Zukunft mich auf dieses Erlebnis berufen kann, wenn mir mal wieder jemand Übertreibung unterstellt oder meinen Ausführungen keinen Glauben schenken will. Ein kurzes “Beim Barte des Propheten” sollte sicherlich reichen um einige Kritiker verstummen zu lassen! Oder wer von euch hat denn bitte schon direkt vor selbigem gestanden? Und wer weiß, falls die Moslems doch recht haben, habe ich schon mal ein paar Punkte für mein jenseitliches Dasein gesammelt!

Durch die schiere Größe des Palastes haben wir es auch nicht mehr in den Haremsbereich geschafft. Dafür wurde intensiv im Basar verhandelt und geshoppt. Und siehe da. Dieses mal lief es mit den Verhandlungen etwas besser. Eindeutiges Indiz dafür, dass man den besten Preis erreicht hat, ist wohl die Tatsache, wenn Klein Ali nach hinten verschwindet und den Chef fragt, ob die ausgehandelte Summe noch über dem Einkaufspreis liegt. Alles Prima gelaufen, allerdings probiere ich in Zukunft die Pullis und Hemden auch noch an. Das echte PülShark Hemd kneift etwas am Hals und spannt dafür ein bisschen am Bauch… Eine gute Motivation in Zukunft ein bisschen öfters das angebotene Baklava höflich abzulehnen! Seis drum, für Weihnachten ist vorgesorgt und ich freue mich auf Flos Besuch in 2 Wochen, wenn wir sicherlich noch mal dort vorbeischauen!

Highlight unserer Familien-Touri-Runde war die alte Zisterne.  Der als Wasserreservoir für den Topkapi Palast angelegte unterirdische Kellerkomplex ist alleine durch seine Größe und seine Architektur atemberaubend. Wir hatten das Glück, dass die Schlange echt übersichtlich war und entsprechend auch wenige Besucher mit uns unten waren. Die Illumination und die Atmosphäre sind beeindruckend. Dazu ist der Ort durch etliche Filme wie James Bond oder Jackie Chan bekannt geworden. Highlight der Kinder war dann ein Foto-Shooting in der Zisterne in Sultans- und Harems-Kostümen. Mein Ergebnis habt ihr ja gestern bestaunen dürfen. Das der Familie Kübler/Swoboda ist noch streng geheim!

Gestern war wieder Uni, die Familie hat sich dafür alleine auf die Socken gemacht und Beyoglü entdeckt. Ein letztes gemeinsames Abendessen und heute haben wir dann gemeinsam das Haus verlassen. Während Claudia mit Alexander und den Kids nach Hause fliegt kümmere ich mich wieder intensiv um die Forschung. Die ersten Daten sind mittlerweile da und wir haben schon erste spannende Entdeckungen gemacht. Ich freue mich sehr über die gute und intensive Betreuung durch Koen Pauwels und hoffe, dass wir all unsere Ideen schnell und gut zu Papier bringen.

Soderle! Ich wünsche euch allen einen guten Start in den Wochenendsprint und freue mich wie immer auf Kritik, Anregungen und jede Menge Kommentare!

Liebe Grüße,

euer Raoul

One Response to “The Jewel…”

  • Volker Ramge

    Hi Raoul! Starker Blog, sensationelle Bilder; ist immer eine große Freude, wenn eine neue Ausgabe kommt! Herzliche Grüße!

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