Freundschaft!

On 17. Oktober 2011 by rkuebler

Liebes Istanbul, ich danke dir für einen interessanten Tag mit dir. Auch wenn ich weiß, dass T.E. Lawrence bei seinem Aufstand in der Wüste mehr gegen deine Einwohner als mit ihnen gekämpft hat, seit heute, kann ich das arabische Gemüt deutlich mehr verstehen…

Aber vor vorne…

6 Uhr mit dem Muezzin wach geworden. Dummerweise mich selbst dazu bewegt, noch einmal einzuschlafen. Mein Termin ist ja schließlich um 10 Uhr, wer will da früher vor Ort sein. Um 8:30 werde ich aber doch nervös, dusche in aller Ruhe, kurzes Frühstück und dann in Anzug und Hemd nach unten. Mal schauen, wann hier der versprochene Shuttle los fährt.

Vom Wachmann ist Fehlanzeige! Die nette Dame, die wohl von der Verwaltung ist, spricht leider kein Englisch und erst Recht kein Deutsch. Wie sich zeigen wird, ein deutlich zunehmender Trend! Auf meine Frage nach dem Shuttle, wird nur eifrig der Kopf geschüttelt und auf den Minibus hingewiesen. Taxi ist auch Fehlanzeige. Traffic. Monday. Rain! Big Jam! Ok! Ich verstehe, also runter zur Hauptstrasse. Jetzt wird mir die Bedeutung von Big Traffic klar. Wild ineinander verkeilte Blechschluchten, die stinkend vor sich hin stehen und  laut hupen. Minibus? Fehlanzeige! Aber immerhin Big Bus. Den schnappe ich mir. Lächle den Fahrer an und frage auf Englisch, ob er zur Ozyegin University fährt. Ratloser Blick. Aber immerhin gibt es Fahrgäste. Der Fahrer lässt es sich nicht nehmen jeden einzeln zu Fragen, ob er Englisch kann. Prima. Irgendwann meint ein älterer Herr, dass ich ruhig einsteigen könne. Der Fahrer verlässt  zwischendurch noch ein paar Mal den Bus und schreit laut irgendwelche armen Lastwagenfahrer an, die seine Kreuzung blockieren. Die zwischendurch abgefahrene Distanz beträgt nach 10 Minuten auch ca. genaue diese Kreuzung. Mit etwas Geduld, wir haben jetzt 9:15 haben wir uns immerhin ca. 300 Meter voran gekämpft und stehen auf der rechten Spur in einer für mich nicht weiter übersehbaren Schlange an Bussen. Der nette Herr mit gegenüber mit den Fremdsprachenkenntnissen hat mittlerweile auch seine Hürryiet fertig gelesen und weißt mich darauf hin, dass man auch die Strecke laufen könne. Einfach die Strasse immer gerade aus. Sei auch egal, dass das ne vierspurige Bergautobahn ist. Nun gut, teutonische Pünktlichkeit haut an meinen Hinterkopf und es geht los mit dem Schwarm vieler anderer Anzugsträger den Bergkamm hinauf, vorbei an scheinbar tausenden von Bussen, die uns ihre Abgase ins Gesicht blasen. Der Nikotinbedarf hat sich für die kommenden 12 Monate damit deutlich gelegt… Die 15 Minuten entpuppen sich als ca 45 Minuten, dafür bin ich pünktlich um 10 Uhr am Treffpunkt.

Der geneigte Leser, wird sich sicherlich an meinen Plan erinnern, unbemerkt an der Security vorbei bis zu Koen zu schleichen. Pustekuchen. Vorne sind 5 Drehkreuze wie an der Metro in London oder New York.

Die Dame am Counter kann natürlich kein Englisch. Wir verhandeln händeringend, irgendwann schaffte ich es, dass sie Koen anruft, der mich abholt!

Eigentlich könnte das auch das Happy End für Heute sein.  Könnte, denn der Rückweg steht mir noch bevor! Angeblich gibt es ein Shuttle um 16:30. Der Fahrer sagt mir aber, dass das erst um 17 Uhr fährt. Zur Sicherheit zeige ich ihm noch 5 mal die Adresse. Er nickt immer fleissig und sagt 5 Uhr an. Ok, so habe ich noch mal ne halbe Stunde mehr und mache mich an meinen Artikel.

Punkt 5 sitze ich im Shuttle, das los fährt und los fährt und auch sofort an meiner Abfahrt vorbei fährt. Volle Kanne auf die Autobahn und erstmal die nächsten 50 Minuten nicht anhält. Stolz setzt mich der Fahrer irgendwo an die frische Luft in die kalte Abenddämmerung. Zwischendurch hab ich schon mal bei Kathi angerufen und mich schon halb verabschiedet…

Der Rückweg ist eine lange Geschichte, aber momentan brauche ich etwas Zeit um raus zu bekommen, wie ich morgen einen solchen Stunt verhindern kann! Vielleicht werden Istanbul und ich ja noch auf den zweiten Anlauf Freunde…
Bis dahin seid gegrüßt!

Euer Raoul

One Response to “Freundschaft!”

  • rkuebler

    Fahrradfahren ist hier tödlich. Gibt hier auch keinen, der das probiert hat. Also zumindest nicht sichtbar… Laufen wäre ok, dauert ebenso lange wie der Bus der entweder im Stau steckt oder gefühlte 40km Umweg fährt um diesen zu vermeiden. Und wenn man ein bisschen mehr rechts läuft, ist das sicherlich auch nicht so lungenschädlich wie bei meinem ersten Versuch. Aber bei totalem Regen und 5 Grad hab ich da echt null Bock drauf…

    Wir werden sehen, wie der Spass weiter geht… Heute steht auf jeden Fall noch mal glückliche Heimkehr ohne Zwischenstop am schwarzen Meer an…

    Daumen drücken, dass es klappt!

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